- Rohbaufest unseres energetischen Aushängeschildes

Ein Energiespar-Experiment
Beim Steinhäusle 23/1 will die Baugenossenschaft in drei Jahren wissen, ob sich der hohe Dämm-Aufwand für Mieter rechnet Von unserem Redaktionsmitglied Regina Munder der Winnender Zeitung
 
Winnenden. Im Schelmenholz hat die Baugenossenschaft Winnenden (BGW) den Rohbau des ersten Mehrfamilienhauses in der Stadt gefeiert, das nach den höchsten Dämm-Richtlinien gebaut wird. Voraussichtlich wird Steinhäusle 23/1 mit seinen zehn Mietwohnungen 2,2 Millionen Euro kosten. „Für uns ist es in doppelter Hinsicht ein Experiment“, sagt Geschäftsführer Michael Rieger.
 
Die Penthouse-Wohnung mit 100 Quadratmetern und die neun Zweizimmerwohnungen mit rund 45 Quadratmetern entstehen neu bis Juni 2019, doch sind sie bereits vergeben oder reserviert für Bestandsmieter in anderen BGW-Häusern, die bald abgerissen werden sollen. Erst wenn dort, am Eichendorff- und am Schwalbenweg, die Neubauten fertig sind, hat die Baugenossenschaft wieder Angebote für Neumieter.
 
Es geht nicht ohne Belüftung mit Wärmerückgewinnung
 
Die BGW probiert mit dem Bau aus, ob die extrem starke Wanddämmung wirklich die Nebenkosten für die Mieter senkt. „In drei Jahren kann ich es genau sagen, wenn zwei Abrechnungen vorliegen“, sagt Rieger. Momentan glaubt er jedoch, dass die Wartungs-und Stromkosten für die kontrollierte Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung die Einsparung bei den Heizkosten kompensiert. „Wenn das so ist, oder wenn es sogar noch schlechter ausfällt, dann ist das einfach ein Wahnsinn, was die Politik da vorschreibt.“
 
Die BGW leistet sich dieses Experiment, weil sie den Bauplatz für das Haus schon vor 50 Jahren gekauft hat. Heute hätte sie für ihn 500 000 Euro zahlen müssen. Der Bau dieses „Effizienzhauses 40“ kostet laut Rieger zehn bis 15 Prozent mehr, also rund 200  000 Euro. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau fördert es mit einem zinsgünstigen Darlehen für eine Million Euro und mit einen Tilgungszuschuss von zehn Prozent, also 100 000 Euro.
 
Heizung mit Fernwärme, Fotovoltaikanlage auf dem Dach
 
Auf der Baustelle hat am Donnerstagnachmittag Jochen Albrecht, BGW-Gruppenleiter Bau, Besucher herumgeführt. „Wir hatten ein Drittel mehr Planungsaufwand als sonst, weil wir alles hinterfragt haben, von der Bitumen-Dachabdichtung bis zur Verwendung von Styropor aus Rohöl und von Mineralwolle, die mit hohem Energieaufwand hergestellt wird.“ Doch trotz eines dicken Spezialziegels kann nicht ganz auf diese Stoffe verzichtet werden. „Wegen des Brandschutzes können wir am Mehrfamilienhaus keine Holzfaserplatten für die Dämmung nehmen, und wo wir doch Beton verwenden mussten, brauchen wir außen sechs Zentimeter Mineralwolle“, erläutert er.
 
Aufs Dach kommt eine Fotovoltaikanlage mit einer Leistung von 20 Kilowatt, mit Gas der Fernwärme wird geheizt und Wasser erwärmt. Und Platz gespart. Der steht den Mietern als Kellerraum, für Waschmaschinen, Trockner und Fahrräder zur Verfügung. Die Wohnungen sind hochwertig ausgestattet was die Fliesen, die Keramik, Markisen

und eine Videosprechanlage angeht. „Wenn die Baustraße weg ist, wird alles ringsum begrünt“, sagt Albrecht über die ruhige Lage in der dritten Reihe.
 
Dank der Spezialziegel reduziert sich die Verwendung von Styropor am Steinhäusle 23/1. Foto: Schneider